Fritzlar: Dom- und Kaiserstadt

Fritzlar zum Kennenlernen und für Kenner

Mit seinem imposanten Dom, dem ältesten deutschen Amtshaus und dem Marktplatz mit einzigartigem Fachwerkensemble, hat Fritzlar einige Superlative im Bereich Stadtansichten zu bieten.

„Den schönsten Blick auf Fritzlar hat man vom Büraberg“, erklärt Clemens Lohmann. Der 65-Jährige ist seit über 30 Jahren Stadtarchivar in Fritzlar und kennt sie alle, die großen und kleinen Geheimnisse der kleinen Stadt in Nordhessen. Denn jeder kleine Fleck in Fritzlar ist Geschichte. Alles begann 723 als der Missionar und spätere Erzbischof Bonifatius eine Prozession an einer dem germanischen Gott Donar geweihten Eiche erblickt: „Wenn man auf dem Büraberg steht, wie einst Bonifatius, dann spürt man den ganzen Zorn über dieses heidnische Treiben“, schmunzelt Lohmann. Kurzum: Bonifatius fällt die Eiche, lässt aus dem Holz eine kleine Kapelle bauen und legt so den Grundstein für die Stadt Fritzlar. Anstelle der kleinen Kapelle steht heute der prächtige Dom und auf dem Platz davor eine mächtige Bronzestatue des Mannes, mit dem hier alles begann. Bonifatius, mit der Axt in der Hand auf dem Stumpf der gefällten Eiche stehend.

Das schiefe Haus in Fritzlar

Im Spitzenhaus, dem ältesten Haus Fritzlars, hat Clemens Lohmann sein Reich. Im Stadtarchiv verwaltet er historische Akten und Buchbestände. Von außen sieht das 600 Jahre alte Haus aus, als müsste es jede Minute einstürzen. Tatsächlich ist es der schonenden Sanierung zu verdanken, dass dieses Schätzchen der Fritzlarer Altstadt noch steht. „Es war mal ein gerades Haus“, erläutert Clemens Lohmann. Etwa um 1440 seien zwei Kellerwände entfernt worden und dieser Eingriff in die Statik führte zum heutigen schiefen Haus. „Durch die fehlenden Kellerwände senkte sich die Nordwand ab und man hat einfach nur Glück gehabt, dass der Teil des Gebäudes nicht eingestürzt ist“, berichtet der Stadtarchivar.

Heute ist das Spitzenhäuschen gleich neben dem prachtvollen alten Rathaus eines von vielen liebevoll sanierten Fachwerkgebäuden. Auch ein Blick ins Innere lohnt sich: In einem Zimmer im Obergeschoss können Gäste der Tourismus-Information die fast vollständige Deckenbemalung aus der Renaissance bewundern. „Eventuell handelte es sich um ein Schlafzimmer“, erklärt Lohmann, „denn die ganze Pracht sieht man nur, wenn man liegt.“ Beim Bestaunen der Malereien sollte man außerdem den Kopf einziehen. Hoch waren sie nicht, die Gebäude im Mittelalter.

Fritzlar, die turmreiche Stadt

„Urbs turrita – turmreiche Stadt, so nannte man Fritzlar zu seiner Blütezeit im Mittelalter“ erzählt Clemens Lohmann während er den Rondengang beschreitet. Dieser beeindruckende Rundgang führt entlang der etwa 2,5 km langen, fast vollständig erhaltenen Stadtmauer. Dreiundzwanzig Wehr- und sieben Warttürme machten die Stadt einst zur mächtigsten Festung Hessens. Die Warten außerhalb der Stadtmauer waren ein Frühwarnsystem, fünf von sieben sind heute noch erhalten.

Ein wunderbares Fotomotiv ist der 4-Türme-Blick aus Richtung Süden auf die Stadt. Unterhalb des Mühlgrabens geben Kanzel, Winterturm, Frauenturm und Grauer Turm einen Einblick in das mittelalterliche Verteidigungssystem der Stadt Fritzlar. Vom Rondengang sind es jeweils nur ein paar Schritte zum Marktplatz, dem zweiten Lieblingsort von Clemens Lohmann. Hier zeigt sich das heutige Fritzlar lebendig und offen. Ein buntes Treiben aus Einzelhandel und Gastronomie lädt zum Verweilen ein. „Und auf ein Tässchen Kaffee“, beschließt Clemens Lohmann.

Geheimtipps: Vom Grauen Turm zum Advent in den Höfen

Stattliche 38 Meter ragt der Graue Turm in die Höhe und ist damit einer der größten erhaltenen städtischen Wehrtürme Deutschlands. Aber das wohl im 13. Jahrhundert erbaute Wahrzeichen ist nicht nur von außen eindrucksvoll. Auf vier Etagen erfährt der Besucher so einiges über Fritzlar und seine Geschichte. Von der eher unrühmlichen Zeit der Folter im ersten Stock dreht sich in der nächsten Etage alles um die Zerstörung der Stadt im Jahr 1232. Großformatige Karikaturen zeigen, wie Fritzlar nach eigentlich erfolgreich überstandener Belagerung doch noch vom Feind überrannt wurde. Ganz oben bietet sich nicht nur ein toller Blick über Fritzlar und das Umland, hier wacht auch das 1:1 Gipsmodell des Denkmals von Bonifatius.

870 Jahre alt ist das Gebäude der Kulturscheune und hat wohl schon einiges miterlebt. Zum Beispiel die Anfänge als Veranstaltungsort im Jahr 2011 als die Besucher sich bei den Klappstuhlabenden im Hof ihre eigenen Sitzmöbel mitbringen mussten. Die Anfänge waren also eher spartanisch und es dauerte eine Weile bis die ehemalige Zehntscheune dem Ansturm von 200 Zuschauern gewachsen war. Die Mitglieder des Vereins Kulturscheune renovierten in Eigenregie, mit viel Liebe zum Detail. Die Klappstuhlzeiten sind längst vorbei und die Kulturscheune ist eine Institution für Musik, Literatur und Kunst in Fritzlar.

„Advent in den Höfen“ ist ein besonderes Erlebnis in der Vorweihnachtszeit. Schon zum zehnten Mal öffnen Geschäfte aber auch Privatpersonen ihre Tore für Besucher. Immer am dritten Adventswochenende erstrahlt Fritzlar dann in einem ganz besonderen Lichterglanz. Jeder Hof ist wie ein kleiner Weihnachtsmarkt für sich. Allerlei Leckereien verströmen ihren Duft, weihnachtliche Musik erklingt in den Gassen und rote Sterne weisen den Weg zu den Höfen und Scheunen in der Altstadt. Finnischer Feuerlachs, Wildwurst und Pulled Pork laden genauso zum Schlemmen ein wie süße Leckereien. Posaunenchöre und Harfenspieler sorgen für die festliche Stimmung für diesen besonderen Advents-Bummel.

Quelle und Bildquelle: Pressemitteilung Hessen-Tourismus vom 10.12.2019.